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Rumänien: Biologin des Semenic National Park kündigt aus Protest gegen illegale Abholzungen

Sinculeț Teodora Alina: „15 Jahre lang habe ich unzählige Beschwerden eingebracht, aber es wurden keinerlei Maßnahmen ergriffen. Der Managementplan wurde tagtäglich von der Parkverwaltung missachtet“…

Der Konflikt um die Abholzung im rumänischen Semenic – Caraş Gorge Nationalpark verschärft sich. Der Staatsforst-Betrieb Romsilva, der auch fast alle Nationalparks kontrolliert, wird von NGOs heftig wegen der intensiven Abholzung von wertvollen Wäldern in den Schutzgebieten kritisiert. Nun will Romsilva gar die streng geschützte Kernzone des Semenic-Nationalparks von 47,5% auf 32% reduzieren – sogar gegen den Willen des wissenschaftlichen Komitees.

Vor kurzem hat die Nationalparkbiologin Sinculeț Teodora Alina ihren Job gekündigt, um so gegen die verheerenden Abholzungen im Nationalpark zu protestieren. Sie veröffentlichte ein Manifest, in dem sie ihre Entscheidung erklärt.

Wir veröffentlichen hier Auszüge aus ihrem Schreiben:

„Nach fast 15 Jahren Tätigkeit als Biologin des Semenic Nationalparks sehe ich mich gezwungen, zurückzutreten und meinen Job zu kündigen. Ich traf meine Entscheidung, nachdem ich unter zu massiven Druck gesetzt wurde, weil ich Beschwerden gegen illegale Handlungen im Nationalpark einbrachte.
Während meiner 15-jährigen Tätigkeit im Büro habe ich Beschwerden bei fast allen Behörden eingereicht, die für die Kontrolle und Inspektion der Parkverwaltung zuständig sind – bei allen Managern des Parks, bei allen Generaldirektoren von Romsilva, Staatssekretären und Ministerien, Staatsanwälten, Polizeibeamten, Forstinspektoren und Umweltprüfern. Es wurden aber keinerlei Maßnahmen gegen diejenigen ergriffen, die gegen das Gesetz verstoßen haben.
Wegen all dieser Beschwerden wurde ich bedroht und von meinen Vorgesetzten unter Druck gesetzt. Ich kam zu dem Punkt, an dem ich spürte, dass meine Integrität, mein Leben und die Sicherheit meiner Familie zu sehr beeinträchtigt wurden.“

„Das war eine sehr schwierige Entscheidung  für mich, weil ich meinen Job liebe und die letzten 15 Jahre dem Schutz und der Erhaltung der biologischen Vielfalt im Park gewidmet habe. Mein Rücktritt ist auch eine Form des extremen Protestes, um mehr Aufmerksamkeit auf die Zerstörung von Schutzgebieten in Rumänien zu lenken. Leider ist es auch ein ultimatives Mittel, um mich und meine Familie vor zukünftigen Bedrohungen zu schützen“.

Eine lange Liste von Illegalitäten…

„Es ist schwierig, alle die vielen Rechtsverstöße im Park auf wenigen Seiten zusammenzufassen. Aber ich werde die Hauptgründe für meine Kündigung nennen.

– Der 2014 zwischen Romsilva und dem Umweltministerium unterzeichnete Nationalpark-Managementvertrag wurde von der Parkverwaltung täglich gebrochen.
– Die Entlassung des gesamten Fachgremiums im Wissenschaftlichen Komitee im Jahr 2016, das permanent die Vorlage von Folgenabschätzungen für Naturräume eingefordert hat und gegen die Abholzungen im Park aufgetreten ist.
– Die von Regierungsbeamten genehmigten Abholzungen im Cheile Carasului Reservat, die  Dokumente gefälscht und die Reservatsgrenzen geändert hatten.
– Die zwischen 2004-2018 erteilten Holzeinschlags-Genehmigungen, die zur Verwüstung von alten Wäldern in diversen Schutzgebieten führten.
– Wir Arbeitnehmer des Parks erhielten keine angemessene Ausrüstung für unsere Arbeit, keine angemessene Schulung in der Vorbereitung oder für die Bekämpfung von Waldbränden. Feuer sind ein großes Problem im Semenic National Park.
– Die Parkverwaltung hat sich nicht an die rumänische Gesetzgebung zur Archivierung aller offiziellen Verwaltungsdokumente (wie Protokollierungen, Bußgelder, Genehmigungen etc.) gehalten und die Verwaltung verfügt über kein gesetzeskonformes Archiv.
– Es wurden keine Geldstrafen verhängt und keine Maßnahmen gegen diejenigen Holzfällerunternehmen ergriffen, die die Umwelt belasteten und Flüsse mit Industrieöl und anderen illegalen Abfällen verschmutzten.
– Es wurden keine Geldstrafen und keine Maßnahmen gegen illegal agierende Holzfirmen und diejenigen ergriffen, die illegale Rohstoffgewinnung wie z.B. Tagebaue betrieben.
– Es wurden keine Geldstrafen und keine Maßnahmen gegen illegale Bauten ergriffen, die innerhalb der Parkgrenzen gebaut wurden.“

Zutrittsverbote für Einschlagsgebiete

„In vielen Fällen verbot mir der Nationalparkmanager, Gebiete zu besuchen, in denen massiver Holzeinschlag betrieben wurde – insbesondere in den Gebieten, in denen noch alte Wälder standen. Und in vielen Fällen benutzte der Manager des Parks die Wild-Videoüberwachungskameras des Parks für die Jagd.

Ich kam zu dem Punkt, an dem ich mit viel Trauer von der Position des Biologen zurücktrag – als letzte Form des Protestes gegen die Zerstörung der Wälder, gegen den Druck und die Bedrohungen, denen viele ehrliche Mitarbeiter des Parks ausgesetzt sind.
Ich hoffe sehr, dass der Umweltminister diese Sache ernst nimmt und die Kontrolle über die Nationalparks an sich zieht. Romsilva muss die Verwaltung der Parks entzogen werden und alle Illegalitäten innerhalb des Parks erfordern eine Untersuchung. Die Verantwortlichen für all die Vergehen müssen bestraft werden.“

Abholzungen im Toplita Tal

NGOs leiten rechtliche Schritte gegen die Zerstörung des Semenic Nationalparks ein

Kürzlich haben die NGOs Agent Green und Neuer Weg ein Gerichtsverfahren gegen die Umweltbehörde Caraş Severin Environmental Protection Agency eingeleitet, um den Managementplan für den von Romsilva verwalteten Semenic Nationalpark aufzuheben, der eine Erweiterung der wirschaftlich nutzbaren Fläche im Park auf 68% vorsieht.

Der Semenic-Cheile Caraşului Nationalpark ist ein tragisches aber klares Beispiel für das betrügerische Management der Nationalparks in Rumänien. Außerdem ist er auch ein Natura-2000-Gebiet, dass den Bestimmungen der europäischen Naturschutzrichtlinien unterliegt. „Wenn dieser teuflische Plan von Romsilva vom Ministerium unterstützt wird, werden wir die Europäische Kommission auffordern, ein  Vertragsverletzungsverfahren einzuleiten, um die Machenschaften Rumäniens streng zu sanktionieren. Polen hat Ähnliches wie Romsilva in den vergangenen Jahren im Nationalpark Bialowieza versucht und wurde durch ein Vertragsverletzungsverfahren und durch den Europäischen Gerichtshof gestoppt. Dies werden wir auch im Fall Rumäniens einfordern“, warnt Gabriel Paun, Präsident von Agent Green.

 

Protestaktion mit Bär in Berlin: EU-Umweltminister*innen müssen Rumäniens Urwälder schützen

Robin Wood e.V. protestierte vor rumänischer Botschaft in Berlin gegen die skandalösen Abholzungen in rumänischen Nationalparks und Natura-2000-Gebieten

Parallel zum Treffen der Umweltminister*innen der EU in Brüssel, erschienen Aktivist*innen der Umweltorganisation Robin Wood e.V. vor der rumänischen Botschaft in Berlin und führten eine symbolische „Abholzung“ durch – um gegen die Zerstörung der rumänischen Urwälder demonstriert. Rumänien hat bis Ende Juni den EU-Ratsvorsitz inne.

 

Ausgerüstet mit forstlicher Arbeitskleidung und Motorsäge zerkleinerten sie vor der rumänischen Botschaft einen Baumstamm um auf die massiven Abholzungen in den wertvollen Wäldern Rumäniens aufmerksam zu machen. Ein Kostüm-Bär zeigte ein Banner mit der Aufschrift „No Loggings in Romanian National Parks“ („Keine Abholzung in rumänischen Nationalparks“).

Waldschutz sollte ganz oben auf EU-Agenda stehen
„Die Rumänischen Urwälder werden illegal abgeholzt – egal ob National Park, Biosphären Reservat oder Natura 2000 Gebiet – und wir fordern die rumänische Regierung auf, effektive Maßnahmen zu ergreifen das zu unterbinden!“ so Jana Ballenthien, Waldreferentin Robin Wood. Die Umweltaktivisten*innen nutzte die rumänisch EU-Ratspräsidentschaft, um das Rampenlicht auf Rumänien sowie die illegalen Abholzungen zu ziehen. Denn auch in den eigentlich unter europäischem Recht geschützten Natura-2000-Gebieten wird in Rumänien abgeholzt. „Die letzten Urwälder unserer Erde mit ihrer Artenvielfalt und ihrer Funktion für ein stabiles Klima müssen zuverlässig geschützt werden – nicht nur auf anderen Kontinenten, auch hier in Europa. Wir fordern die rumänische Regierung auf, ihre Ratspräsidentschaft dafür zu nutzen, den Waldschutz ganz oben auf die Agenda zu setzen“, sagt Ballenthien.

Rumäniens Wälder sind überwältigend artenreich und bieten zahlreichen endemischen Arten Lebensraum. Zu ihnen zählen einige der letzten – seit der Eiszeit fast unberührten – Urwälder Europas, von denen die meisten in den Karpaten zu finden sind. Sie sind von unschätzbarem Wert fürs Klima und für die biologische Vielfalt. Die schwer zugänglichen Gebirgsregionen in den Wäldern Rumäniens gehören zu den wenigen noch existierenden Refugien europäischer Braunbären, Luchse und Wölfe.

Rumänien muss EU-Recht in Natura 2000 Gebieten durchsetzen
Insbesondere fordert Robin Wood von der rumänischen Regierung und der Forstverwaltung Romsilva ein effektives Kontrollsystem, das illegale Abholzung in Nationalparks verhindert sowie die konsequente Durchsetzung des EU-Rechts zum Schutz der ausgewiesenen Natura-2000 Gebiete. EU-weit muss dafür gesorgt werden, dass Rechtsübertritte in Natura-2000-Gebieten sanktioniert werden. Außerdem müssen Einschlag und Handel mit illegalem Holz auch innerhalb des europäischen Binnenmarktes wirksam unterbunden werden.

Die Urwälder Rumäniens brauchen Hilfe. Bitte daher unbedingt diese Petition unterschreiben und weiter verbreiten. Danke!

Bären protestieren für ihre Urwälder (© Stephan Röhl, CC BY SA 4.0)
Die Aktivisten*innen vor der rumänischen Botschaft (© Stephan Röhl, CC BY SA 4.0)

Abholzungen im rumänischen Fagaras-Gebirge bedrohen Urwaldforschung

Das REMOTE-Projekt (REsearch on Mountain TEmperate Primary Forests) veröffentlichte einen beunruhigenden Bericht: die Urwälder im Fagaras-Gebirge in den rumänischen Karpaten verschwinden. Auch die Wissenschaft ist betroffen…

In Rumäniens höchsten Bergen, dem Fagaras-Gebirge, findet sich einer der größten Urwald-Cluster  der EU. Wissenschaftler aus der Tschechischen Republik und der Slowakei schätzen die Gesamtfläche der Primärwälder in dem Gebiet auf rund 10.000 Hektar. Darüber hinaus sind weitere ausgedehnte Flächen mit anderen wertvollen Naturwäldern bedeckt, die „sich mit Primärwaldstandorte zu größeren Komplexen von hoher Natürlichkeit verbinden“. Daher verdienen die Fagaras-Berge „besondere Aufmerksamkeit und Schutz“.

Das REMOTE-Projekt ist eines der größten Urwaldforschungs-Projekte weltweit

Um in die Vergangenheit von Wälder zu sehen, untersuchen Forscher die Anzahl und Struktur der Jahresringe. Daraus läßt sich ablesen, wie alt die Bäume sind und die Dicke der Jahrsringe zeigt an, wie stark das Wachstum war.

Das REMOTE-Forschungsprojekt umfasst eines der größten dendrochronologischen (= Baumalter-) Urwaldforschungsprogramme der Welt. Es handelt sich um eine langfristige internationale Forschungskooperation unter der Leitung des Instituts für Waldökologie an der Fakultät für Forst- und Holzwissenschaften der Tschechischen Universität für Biowissenschaften in Prag.

Das umfangreiche wissenschaftliche Forschungsprogramm startete im Jahr 2010. Im Rahmen des Projekt werden Urwälder auf Basis eines Netzwerks permanenter Stichprobenflächen (definierte Forschungsflächen) über einen großen Bereich von Primärwäldern in neun Ländern in Mittel-, Ost- und Südosteuropa über einen langen Zeitraum untersucht.

Die Hauptziele der Forschung sind die Durchführung von „räumlichen und zeitlichen Analysen, die sich auf verschiedene Aspekte von Störregimen in Primärwäldern konzentrieren“ sowie die Durchführung von dendrochronologischen Studien. Mit anderen Worten: Die Wissenschaftler messen die Auswirkungen von Störungen (wie Windbrüche, Insektenbefall usw.) auf unberührte Wälder über einen langen Zeitraum und sammeln Daten über das vergangene Baumwachstum anhand von Baumringen einzelner Bäume. Hierbei werden die Daten jeweils in den permanenten Stichprobenflächen entnommen und geben so Aussagen über die zeitliche Veränderung und somit Aufschluss über die Auswirkungen der Ereignisse oder Störungen.

Derlei Studien wurden nie zuvor in dieser Größenordnung und in einem so großen geografisches Gebiet durchgeführt. Die Datenbank von REMOTE ist eine der größten zu diesem Thema weltweit.

Urwaldforschung zur Unterstützung einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung

Das REMOTE Projekt zielt darauf ab, die natürliche Dynamik der Primärwälder zu verstehen und dann zur Entwicklung nachhaltiger Forstwirtschaftspraktiken beizutragen. Ziel ist eine Waldbewirtschaftung, die Holz produziert und gleichzeitig auch die Biodiversität und die Ökosystemleistungen erhält.

Es wurden mehrere hundert permanente Studienflächen  eingerichtet, die über einen langen Zeitraum ausgewertet werden. Bei anstrengenden Exkursionen in die (teilweise weglose) Karpatenwildnis werden regelmäßig Daten gesammelt und verglichen. Das Projekt liefert somit ein besseres wissenschaftliches Verständnis der Langzeit-Veränderungsdynamik von Urwäldern. Die Daten umfassen Messungen von Veränderungen der Waldstruktur, Lebensräumen seltener Arten sowie Messungen des individuellen Baumwachstums. Das Projekt hat eine Datenbank mit Tausenden von Einzelbäumen aufgebaut.

In den Fagaras-Bergen wurden in elf abgelegenen Tälern etwa 200 Forschungs-Plots eingerichtet. Die Wissenschaftler haben mehrere Urwaldgebiete von über 1000 Hektar identifiziert. Solche völlig abgeschiedenen Urwaldtäler gibt es nirgendwo sonst mehr in der gemäßigten Klimazone der EU. Sie sind ein wichtiger Lebensraum für viele geschützte Arten – darunter Bären, Luchse, Wölfe, Auerhähne, Eulen, Spechte und Totholz bewohnende Käfer.

Galerie: Forschungsarbeiten des REMOTE-Projektes im Fagaras-Gebirge

Das wildeste Gebirgstal Europas: Boia Mică in Süd-Fagaras

Eines der herausragendsten Urwaldtäler ist Boia Mică. Das Tal hat eine Fläche von 1.145 ha mit einer Höhendifferenz von 1.670 m auf einer Länge von 7,5 km. Das Tal ist völlig unberührt: Es gibt nicht einmal einen Weg, nur Trittpfade von Bären und anderen Tieren. „Dies ist wahrscheinlich einer der ältesten Wälder Rumäniens. Wir haben 37 Bäume über 300 Jahre, 10 Bäume über 400 Jahre und 1 Baum über 500 Jahre auf nur 14 zufällig ausgewählten Studienflächen in Boia Mică gemessen „, berichtet REMOTE-Koordinator Martin Mikoláš.

Die Forscher des REMOTE-Projekts fanden im Boia Mica-Tal eine außergewöhnlich hohe Konzentration sehr alter Bäume – mit zahlreichen Buchen, die älter als 400 Jahre sind.

Boia Mica: weglose Wildnis wie hier gibt es in Europa fast nicht mehr.

Wälder mit hohem wissenschaftlichem und naturwissenschaftlichem Wert unter unmittelbarer Einschlagsgefahr

Die Projektergebnisse unterstreichen den Wert dieses einzigartigen und riesigen Komplexes von Primärwäldern. Urwälder sind nicht nur für Wissenschaftler und Biodiversität von hohem Wert – sie tragen auch zum Klimaschutz bei, indem sie große Mengen an Kohlenstoff speichern. Sie sind wichtig für die Regulierung des Wasserkreislaufs und stabilisieren die Berghänge. Wenn sie zerstört werden, dauert es Hunderte von Jahren dauern, bis sie sich wieder regenerieren und wieder eine vergleichbare Qualität aufweisen. Dies gilt insbesondere für das Hochgebirge.

„Primärwälder und Naturwälder sind so selten, dass wir weitere Verluste verhindern müssen. Nicht nur in den Tropen, sondern auch in Europa“, erklärt Martin Mikoláš.

In der Vergangenheit waren diese wilden Wälder im Normalfall schlicht durch ihre Unzugänglichkeit geschützt. Aber das ändert sich schnell: Waldwege und Holzfäller dringen in die Täler, sogar in das Herz der Natura 2000 Gebiete. Einige der ersten Parzellen, die das REMOTE Team für das Projekt ausgewählt hatte, wurden zusammen mit dem umgebenden Wald bereits zerstört. Im Fagaras-Gebirge wurden in den letzten 10-15 Jahren mitunter riesenhafte Kahlschläge im Bergwald durchgeführt (viele davon größer als 50 ha), die die gesamte Landschaft zerstören und den vollständigen Verlust von Lebensräumen mit hohem Schutzwert mit sich bringen. Die Wissenschaftler fordern daher einen strengeren Schutz.

Abholzung in einem bislang nicht kartieren Fichtenurwald im Ucea Mare-Tal.

Unvollständige Kartierung der Primärwälder, bürokratische Hindernisse und inkonsistente Erhaltung 

Der WWF Rumänien hat zahlreiche Kartierungen von Primärwäldern durchgeführt, um sie in den „Nationalen Katalog der Urwälder“ aufzunehmen und so dauerthaft zu bewahren. Auch im Fagaras-Gebirge wurden tausende Hektar Urwald kartiert. Der WWF hat bisher in den nördlichen Tälern kartiert.

Die REMOTE-Wissenschaftler entdeckten jedoch weitere Urwälder, die sich nicht in der WWF-Kartierung wiederfinden. Diese Urwälder sind derzeit daher überwiegend nicht  ausreichenden geschützt (trotz Natura 2000 Widmung). Und ihre Abholzung droht.

Ein Hauptproblem ist, dass die rumänischen Kriterien für die Identifizierung und den Schutz von Urwäldern extrem streng sind. Bei rigider Anwendung durch die Behörden, ist es daher ein Leichtes, Nichterfüllung von Kriterien zu attestieren und die Wälder von einer  Unterschutzstellung auszuschliessen. Viele bedeutende Urwaldgebiete wurden in den letzten Jahren bereits zerstört.

Überblick über die Täler Arpaselu, Arpasul, Ucea Mare und Ucisoara: Längst nicht alle Urwälder sind kartiert. Weiße Polygone: vom WWF kartiert, rote Polygone: nicht kartierter Urwald, grüne Punkte: permanente Forschungsplots.

Primäre Fichtenbestände im Sambata-Tal mit permanenten Untersuchungsflächen: nicht kartiert, nicht geschützt.

Mit diesem offiziellen rumänischen Schutzprogramm „Urwaldkatalog“ sind jedoch weitere Probleme verbunden: In den Forstmanagementplänen der Forstbetriebe wird das Durchschnittsalter der Waldparzellen oft „unterschätzt“. Und junge Wälder können ja keine Urwälder sein. Infolgedessen akzeptieren die Behörden diese Wälder dann nicht als „Urwald“.

Die Bewirtschaftungspläne erlauben auch oft den Holzeinschlag in Teilen der Waldparzellen. Nach einem Holzeinschlag ist das Waldgebiet natürlich nicht mehr unberührt und gilt nicht mehr als Urwald. Ergo lehnen die Behörden  die Einbeziehung des Waldes als „Urwald“ somit ab, einschließlich der  noch intakten Teile der betroffenen Waldparzellen.

Auch innerhalb bereits aufgenommener Parzellen finden Abholzungen statt, wenn die Eigentümer den Schutz nicht akzeptieren. Im Belia-Tal zum Beispiel findet sich nun ein großer Kahlschlag (20 Hektar) und mehrere Kilometer neue Forststraßen mitten im Primärwald.

Und oft dauert es sehr lange, bis die eingereichten Waldflächen in den „Katalog“ aufgenommen werden, weil die Genehmigungsverfahren (Forstbehörden, Ministerium) oft jahrelang dauern und  Gutachten von Experten wiederholt abgewiesen oder (bürokratische) Ergänzungen nachgefordert werden.

Seit Inkrafttreten des „Katalogs“ – so der WWF Romania, Greenpeace Romania und Foundation Conservation Carpathia – wurden zwischen 3.000 und 5.000 Hektar der Wälder im Fagaras Gebirge aufgenommen. Aber es gibt weitere 6.000 und 7.000 Hektar Urwald. Und die sind akut bedroht, solange sie nicht in den Katalog aufgenommen wurden.

Galerie: Viele Primärwälder im Fagaras-Gebirge wurden bisher nicht kartiert und sind daher völlig ungeschützt. Wertvolle Untersuchungsflächen des REMOTE-Projekts sind daher akut gefährdet…

 

Angriff gegen Forscher-Auto bei einem Waldwanderung

Im Sommer 2018 verbrachten die Wissenschaftler mehrere Wochen in der Wildnis des Fagaras-Gebirges. Als sie von einer Urwald-Wanderung zurückkehrten, mußten sie feststellen, dass die Reifen ihres Autos (geparkt außerhalb eines Schrankens) augestochen waren. Das ist äußerst beunruhigend, zumal das Fagaras-Gebirge auch ein bedeutendes touristisches Hoffnugsgebiet ist.  Was kommt als Nächstes?
(Die Feldarbeit der REMOTE-Forscher basiert natürlich auf behördlichen Genehmigungen.)

Medien und NGO-Berichten zufolge scheint illegaler Holzeinschlag in vielen Gebieten Rumäniens statt zu finden. Tourismus ist eine wichtige wirtschaftliche Perspektive für viele abgelegene Gebiete in den Karpaten. Angriffe auf ausländische Besucher machen diese Option aber wohl zunichte.

Ein umfassender Schutz größerer Waldflächen ist entscheidend.

Die REMOTE-Wissenschaftler kommen zu dem Schluss, dass sofort Maßnahmen ergriffen werden müssen, um den Verlust dieser international wichtigen Urwälder zu stoppen.
Sie weisen darauf hin, dass es unbedingt vermieden werden muss, ein fragmentiertes System von geschützten Wäldern zu schaffen, zwischen denen intensiver Holzeinschlag die ökologischen Werte weitgehend liquidiert.

Um die ökologische Integrität dieser Waldlebensräume (und ihrer bewohnenden Arten) zu erhalten, ist ein umfassender Schutz größerer, miteinander verbundener Waldökosysteme erforderlich. Daher sollte der Schutz auch Naturwälder umfassen, die nicht der strengen gesetzlichen Definition von „Urwald“ in Rumänien entsprechen, um so ein besser vernetztes Lebensraumosaik zu schaffen.

Nur der Schutz größerer Waldlandschaften wird verhindern, dass die Wälder des Fagaras Gebirges – wie andere geschädigte Wälder überall sonst in Europa – enden: isolierte Bruchstücke von Naturwäldern, die durch große Flächen industrieller Forstwirtschaft getrennt sind – einschließlich Kahlschläge, Monokulturen und sonstige nicht-natürliche Baumbestände.

Diese Art von geschädigter Landschaft zerstört nicht nur unser Naturerbe, sondern schädigt auch die Ökosysteme, sodass sie keine Ökosystemleistungen mehr erbringen können, so die REMOTE-Wissenschaftler.

Um den vollständigen Bericht (von Martin Mikoláš und Ondrej Kameniar) zu lesen,  bitte hier klicken.

Interesse an mehr Informationen? Hier geht es zum Bericht: „Where are Europe’s last primary forests?“

Sie können dazu beitragen, den größten Komplex von Primärwäldern innerhalb der gemäßigten Zone der EU – das Fagaras Gebirge – und andere Naturwälder in Rumänien zu schützen: Bitte unterschreiben Sie unsere Petition und leiten Sie diese Geschichte an Freunde weiter!

Zerstörter Wald im Ucisoara-Tal: Helfen Sie mit, diese einzigartigen Wälder und die wichtige REMOTE-Forschungsarbeit zu retten!

Uralte Wunderwelt im Arpasul-Tal: Wildnis dieser Qualität ist in Europa fast ausgestorben. Bitte helfen Sie mit, diese Paradieswälder zu bewahren!