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Neue Umfrage: Große Mehrheit in der EU will besseren globalen Waldschutz

Unter allen EU-Bürgern zeigen Rumänen die stärkste Verbindung zu Wäldern – und ihrem Schutz

Am 21. Mai 2019 veröffentlichte die internationale NGO Fern (Brüssel) eine neue YouGov-Umfrage, die die sehr hohe Bedeutung des Waldschutzes für die EU-Bevölkerung dokumentiert: 87 Prozent der Befragten in der EU befürworten neue Gesetze zur Bekämpfung der globalen Waldzerstörung.

Die Mehrheit der Befragten gibt an, dass weder ihre nationalen Regierungen (66 Prozent) noch die EU (61 Prozent) genug unternehmen, um die globale Waldzerstörung zu bekämpfen. 91% der Europäer und 96% der Menschen in Rumänien sind besorgt über die Wälder und darin lebende Wildtiere. 88% der Befragten in Rumänien gaben an, dass ihre Regierung nicht genug unternimmt, um die globale Waldzerstörung zu bekämpfen.

Die Rumänen zeigen eine besonders starke Verbindung zum Thema Wald:  82% der Menschen reagierten auf die Aussage „Ich sorge mich wirklich um Wälder und wild lebende Tiere“ mit „stimmer sehr zu“ – mit Abstand der höchste Wert bei dieser Frage in der gesanten EU.

86% der Befragten in Rumänien stimmen  außerdem der Aussage zu: „Abholzung ist schädlich für die Menschen und Tiere in den betroffenen Gebieten“ . Dies ist ein deutlich  höherer Wert als in allen anderen EU-Ländern, was darauf hindeutet, dass sich die meisten Rumänen der massiven Waldzerstörung in ihrem Land  bewusst sind und große Besorgnis zeigen.
In der Slowakei, wo die Waldzerstörung auch in der Öffentlichkeit stark debattiertes Problem ist, stimmten immerhin 69% der Befragten dieser Aussage zu (gefolgt von Bulgarien und Spanien).

Diese Ergebnisse zeigen, dass die Menschen sich viel mehr für Wälder interessieren, wenn es diese tatsächlich in ihrem Land noch gibt – wie in der Slowakei, Rumänien und Bulgarien, die noch immer große Flächen sehr naturnaher Wälder besitzen.

Darüber hinaus widersprachen die Zahlen stark dem gängigen Klischee, wonach sich nur „reichere“ Menschen für die Umwelt interessieren: Die Länder mit den niedrigsten Zustimmungswerten zum Waldschutz waren Deutschland , Niederlande und Dänemark.

Auch in waldreichen, aber wohlhabenden Ländern wie Schweden oder Finnland waren die Zahlen viel niedriger als in waldreichen, aber ärmeren Ländern – wie Rumänien, der Slowakei und Bulgarien.

Am 6. Mai hat der Weltbiodiversitätsrat der Vereinten Nationen (IPBES) in einem umfangreichen und historischen Bericht betont, dass das drohende Massenartensterben und der Verlust natürlicher Ökosysteme gleichrangig mit den Klimaschutz zu behandeln ist. Der Erhalt und die Wiederherstellung der biologischen Vielfalt und der natürlichen Ökosysteme habe Überlebensrelevanz für die Menschheit.

Der IPBES-Bericht und die Fern-Umfrageergebnisse machen im Hinblick auf die bevorstehenden EU-Wahlen deutlich, dass der Schutz der Wälder eine wichtige Hausaufgabe für die EU und ihre Politik ist – und unverzüglich umgesetzt werden muss.

Daher ist es sehr wichtig, an den Wahlen zum Europäischen Parlament teilzunehmen und den Umwelt- und den Naturschutz in der EU zu stärken.

 

Abholzungen im rumänischen Domogled Nationlpark: Kein EU-Land hat mehr Urwald als Rumänien, doch dieses einmalige Naturerbe schwindet…

Appell an EU-Gipfel in Sibiu: Ökosystemkrise bekämpfen, rumänischen Waldschatz retten!

Naturschützer fordern in offenem Brief an EU-Regierungschefs konsequenten Urwaldschutz in Rumänien

++ Abschlusskonferenz des Weltbiodiversitätsrates bestätigt, wie ernst die Situation der biologischen Vielfalt ist ++ Eine der dringendsten Maßnahmen ist der Schutz alter Wälder ++ EuroNatur und Agent Green fordern die EU-Regierungschefs auf, die Urwälder in Rumänien endlich konsequent zu schützen ++

Anlässlich des am 9. Mai 2019 im rumänischen Sibiu stattfindenden EU-Gipfels machen die international tätige Naturschutzstiftung EuroNatur und ihre rumänische Partnerorganisation Agent Green auf das Naturschutzdrama in den Karpaten aufmerksam. In einem offenen Brief fordern sie die Regierungschefs der Europäischen Union auf, den anhaltenden Raubbau an Rumäniens Urwäldern auf die Agenda des Treffens zu setzen und sich für einen Stopp der Kahlschläge einzusetzen.

„Seit dem Beitritt Rumäniens zur Europäischen Union sind fast die Hälfte der bisher bekannten Primärwälder im Land abgeholzt worden. Die Kahlschläge machen auch vor Schutzgebieten keinen Halt. All das geschieht vor den Augen der rumänischen Regierung und der Europäischen Union“, sagt Gabriel Schwaderer, Geschäftsführer von EuroNatur.

Im Abschlussbericht des IPBES (Intergovernmental Platform on Biodiversity and Ecosystem Services, kurz: Weltbiodiversitätsrat), der am 6. Mai in Paris präsentiert wurde, machten die Wissenschaftler noch einmal deutlich, wie schlecht es um die biologische Vielfalt auf unserem Planeten steht. Sie sind sich einig darin, dass das Artensterben längst nicht mehr nur ein ökologisches Problem ist, sondern ganze Ökosysteme instabil werden und damit auch die Grundlage für Nahrung, sauberes Wasser und frische Luft gefährdet ist. Dem Schutz von Ur-, bzw. sehr naturnahen Wäldern wird von zahlreichen renommierten Wissenschaftlern eine große Priorität eingeräumt.

Riesenkahlschlag im Natura 2000 Gebiet Fagaras Gebirge. Der neue Bericht des Weltbiodiversitätsrat warnt für den Folgen der Waldzerstörung…

Rumänien: Biologin des Semenic National Park kündigt aus Protest gegen illegale Abholzungen

Sinculeț Teodora Alina: „15 Jahre lang habe ich unzählige Beschwerden eingebracht, aber es wurden keinerlei Maßnahmen ergriffen. Der Managementplan wurde tagtäglich von der Parkverwaltung missachtet“…

Der Konflikt um die Abholzung im rumänischen Semenic – Caraş Gorge Nationalpark verschärft sich. Der Staatsforst-Betrieb Romsilva, der auch fast alle Nationalparks kontrolliert, wird von NGOs heftig wegen der intensiven Abholzung von wertvollen Wäldern in den Schutzgebieten kritisiert. Nun will Romsilva gar die streng geschützte Kernzone des Semenic-Nationalparks von 47,5% auf 32% reduzieren – sogar gegen den Willen des wissenschaftlichen Komitees.

Vor kurzem hat die Nationalparkbiologin Sinculeț Teodora Alina ihren Job gekündigt, um so gegen die verheerenden Abholzungen im Nationalpark zu protestieren. Sie veröffentlichte ein Manifest, in dem sie ihre Entscheidung erklärt.

Wir veröffentlichen hier Auszüge aus ihrem Schreiben:

„Nach fast 15 Jahren Tätigkeit als Biologin des Semenic Nationalparks sehe ich mich gezwungen, zurückzutreten und meinen Job zu kündigen. Ich traf meine Entscheidung, nachdem ich unter zu massiven Druck gesetzt wurde, weil ich Beschwerden gegen illegale Handlungen im Nationalpark einbrachte.
Während meiner 15-jährigen Tätigkeit im Büro habe ich Beschwerden bei fast allen Behörden eingereicht, die für die Kontrolle und Inspektion der Parkverwaltung zuständig sind – bei allen Managern des Parks, bei allen Generaldirektoren von Romsilva, Staatssekretären und Ministerien, Staatsanwälten, Polizeibeamten, Forstinspektoren und Umweltprüfern. Es wurden aber keinerlei Maßnahmen gegen diejenigen ergriffen, die gegen das Gesetz verstoßen haben.
Wegen all dieser Beschwerden wurde ich bedroht und von meinen Vorgesetzten unter Druck gesetzt. Ich kam zu dem Punkt, an dem ich spürte, dass meine Integrität, mein Leben und die Sicherheit meiner Familie zu sehr beeinträchtigt wurden.“

„Das war eine sehr schwierige Entscheidung  für mich, weil ich meinen Job liebe und die letzten 15 Jahre dem Schutz und der Erhaltung der biologischen Vielfalt im Park gewidmet habe. Mein Rücktritt ist auch eine Form des extremen Protestes, um mehr Aufmerksamkeit auf die Zerstörung von Schutzgebieten in Rumänien zu lenken. Leider ist es auch ein ultimatives Mittel, um mich und meine Familie vor zukünftigen Bedrohungen zu schützen“.

Eine lange Liste von Illegalitäten…

„Es ist schwierig, alle die vielen Rechtsverstöße im Park auf wenigen Seiten zusammenzufassen. Aber ich werde die Hauptgründe für meine Kündigung nennen.

– Der 2014 zwischen Romsilva und dem Umweltministerium unterzeichnete Nationalpark-Managementvertrag wurde von der Parkverwaltung täglich gebrochen.
– Die Entlassung des gesamten Fachgremiums im Wissenschaftlichen Komitee im Jahr 2016, das permanent die Vorlage von Folgenabschätzungen für Naturräume eingefordert hat und gegen die Abholzungen im Park aufgetreten ist.
– Die von Regierungsbeamten genehmigten Abholzungen im Cheile Carasului Reservat, die  Dokumente gefälscht und die Reservatsgrenzen geändert hatten.
– Die zwischen 2004-2018 erteilten Holzeinschlags-Genehmigungen, die zur Verwüstung von alten Wäldern in diversen Schutzgebieten führten.
– Wir Arbeitnehmer des Parks erhielten keine angemessene Ausrüstung für unsere Arbeit, keine angemessene Schulung in der Vorbereitung oder für die Bekämpfung von Waldbränden. Feuer sind ein großes Problem im Semenic National Park.
– Die Parkverwaltung hat sich nicht an die rumänische Gesetzgebung zur Archivierung aller offiziellen Verwaltungsdokumente (wie Protokollierungen, Bußgelder, Genehmigungen etc.) gehalten und die Verwaltung verfügt über kein gesetzeskonformes Archiv.
– Es wurden keine Geldstrafen verhängt und keine Maßnahmen gegen diejenigen Holzfällerunternehmen ergriffen, die die Umwelt belasteten und Flüsse mit Industrieöl und anderen illegalen Abfällen verschmutzten.
– Es wurden keine Geldstrafen und keine Maßnahmen gegen illegal agierende Holzfirmen und diejenigen ergriffen, die illegale Rohstoffgewinnung wie z.B. Tagebaue betrieben.
– Es wurden keine Geldstrafen und keine Maßnahmen gegen illegale Bauten ergriffen, die innerhalb der Parkgrenzen gebaut wurden.“

Zutrittsverbote für Einschlagsgebiete

„In vielen Fällen verbot mir der Nationalparkmanager, Gebiete zu besuchen, in denen massiver Holzeinschlag betrieben wurde – insbesondere in den Gebieten, in denen noch alte Wälder standen. Und in vielen Fällen benutzte der Manager des Parks die Wild-Videoüberwachungskameras des Parks für die Jagd.

Ich kam zu dem Punkt, an dem ich mit viel Trauer von der Position des Biologen zurücktrag – als letzte Form des Protestes gegen die Zerstörung der Wälder, gegen den Druck und die Bedrohungen, denen viele ehrliche Mitarbeiter des Parks ausgesetzt sind.
Ich hoffe sehr, dass der Umweltminister diese Sache ernst nimmt und die Kontrolle über die Nationalparks an sich zieht. Romsilva muss die Verwaltung der Parks entzogen werden und alle Illegalitäten innerhalb des Parks erfordern eine Untersuchung. Die Verantwortlichen für all die Vergehen müssen bestraft werden.“

Abholzungen im Toplita Tal

NGOs leiten rechtliche Schritte gegen die Zerstörung des Semenic Nationalparks ein

Kürzlich haben die NGOs Agent Green und Neuer Weg ein Gerichtsverfahren gegen die Umweltbehörde Caraş Severin Environmental Protection Agency eingeleitet, um den Managementplan für den von Romsilva verwalteten Semenic Nationalpark aufzuheben, der eine Erweiterung der wirschaftlich nutzbaren Fläche im Park auf 68% vorsieht.

Der Semenic-Cheile Caraşului Nationalpark ist ein tragisches aber klares Beispiel für das betrügerische Management der Nationalparks in Rumänien. Außerdem ist er auch ein Natura-2000-Gebiet, dass den Bestimmungen der europäischen Naturschutzrichtlinien unterliegt. „Wenn dieser teuflische Plan von Romsilva vom Ministerium unterstützt wird, werden wir die Europäische Kommission auffordern, ein  Vertragsverletzungsverfahren einzuleiten, um die Machenschaften Rumäniens streng zu sanktionieren. Polen hat Ähnliches wie Romsilva in den vergangenen Jahren im Nationalpark Bialowieza versucht und wurde durch ein Vertragsverletzungsverfahren und durch den Europäischen Gerichtshof gestoppt. Dies werden wir auch im Fall Rumäniens einfordern“, warnt Gabriel Paun, Präsident von Agent Green.