Alle Beiträge von Janinka Lutze

100 Aufkleber in 100 Städten – gemeinsam für Rumäniens Urwälder

Mehr als die Hälfte der 6 Monate EU-Ratspräsidentschaft Rumäniens sind bereits vorbei. Und während Vertreter der EU und ihrer Mitgliedsstaaten weiterhin für zahlreiche Treffen nach Rumänien reisen, läuft das Drama um die letzten großen Urwaldgebiete der EU weiter. In Rumänien werden große Mengen sehr alter und artenreicher Wälder abgeholzt, auch im europaweiten Schutzgebietsnetzwerk Natura 2000.

Um das Bewusstsein für die tragische Situation in Rumänien zu schärfen und dieses in Aktivismus zum Schutz der Urwälder umzumünzen, initiieren wir hiermit die Aktion „100 Aufkleber in 100 Städten“. Dies soll auch die Wichtigkeit der Rumänischen Wälder als unser gemeinsames europäisches Naturerbe sowie für den Klimaschutz zeigen, denn der Erhalt dieser Wälder geht uns alle an!
Bisher wurden weltweit an etwa 25 verschiedenen Orten (von New York, über Wien bis zum Mount Everest) Fotos von Aufklebern zur Unterstützung der Urwälder Rumäniens aufgenommen. Wir bitten Sie, sich uns anzuschließen, um das Ziel zu erreichen aus mindestens 100 Städten in Europa und der ganzen Welt Fotos mit den Aufkleber zu sammeln.
Bitte laden Sie unsere Aufkleber herunter, drucken Sie sie aus (natürlich auf Recyclingpapier!) und machen Sie einen Schnappschuss, indem Sie den Aufkleber vor einem berühmten Wahrzeichen in Ihrer Heimatstadt halten. Oder zeigen Sie den Aufkleber auf einem Handy und halten Sie dieses vor das Wahrzeichen. Oder machen Sie ein Foto, wenn Sie die Aufkleber bereits irgendwo platziert sehen.
Sie können die Aufkleber hier herunterladen (auf das Bild klicken und auf Ihren Computer herunterladen):

   

Bitte senden Sie uns Ihr Foto per E-Mail und wir fügen es zu unserer Collage „100 Aufkleber in 100 Städten“ zusammen. Schicken Sie sie an: act4romanianforests@euronatur.org
Verwenden Sie #act4romanianianforests, wenn Sie Ihr Foto in Ihrem Social Media Konto veröffentlichen.
(Bitte achten Sie darauf, dass die Anbringung von Aufklebern für das Foto keine Schäden an Gebäuden, Privatbesitz oder anderen Orten verursacht.)
Danke, dass Sie mit uns zusammen zu #act4romanianianforesests stehen.
Hier sind einige Beispiele:

Riga
Mount Everest, Nepal
Radolfzell am Bodensee
Edinburgh
Wien
Florenz

Internationaler Appell: Rumäniens Urwälder konsequent schützen!

 
Gemeinsame Pressemitteilung
12. April 2019

Pressemitteilung Rumänische, deutsche und internationale Umweltschutzorganisationen fordern heute mit einem gemeinsamen Appell, Ur- und Naturwälder in Rumänien konsequent zu schützen und den Einschlag von Holz in streng geschützten Gebieten wirksam zu unterbinden. Der Appell richtet sich an die rumänische Umweltministerin und Vizeministerin, Gratiela Leocadia Gavrilescu, den rumänischen Minister für Wälder, Ioan Deneș, sowie an den Chef des staatlichen rumänischen Forstunternehmens Romsilva, Gheorghe Mihailescu. Rumänien hat zurzeit die EU-Ratspräsidentschaft inne.

Rumäniens Wälder sind ein herausragendes europäisches Naturerbe. Sie sichern ökologische Vielfalt, speichern gewaltige Mengen Kohlenstoff und helfen so, das Weltklima zu stabilisieren. Außerdem beherbergen sie zahlreiche endemische Arten und bieten Rückzugsräume für europäische Braunbären, Wölfe und Luchse.

Ein großer Teil dieser Wälder befindet sich in Schutzgebieten wie Nationalparks, Biosphärenreservaten und Natura 2000-Gebieten. Die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der EU verbietet dort Verschlechterungen für geschützte Lebensräume und Arten.

Spätestens seit dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs zum polnischen Bialowieza-Gebiet ist klar, dass die Abholzung von artenreichen Altbeständen in Natura-2000-Gebieten mit den EU-Naturschutzrichtlinien nicht kompatibel ist. Trotzdem wird in solchen Gebieten wie auch in Nationalparks und UNESCO-Weltnaturerbe-Gebieten in Rumänien intensive kommerzielle Forstwirtschaft betrieben.

Der rumänischen Naturschutzorganisation Agent Green und der international tätigen EuroNatur Stiftung liegen geleakte Informationen aus dem nach wie vor nur teilweise veröffentlichten zweiten Nationalen Waldinventar vor. Aus diesen Informationen ergibt sich, dass in Rumänien der durchschnittliche Jahreseinschlag 38 Millionen Kubikmeter Holz beträgt, aber lediglich 18 Millionen Kubikmeter durch genehmigte Forstmanagementpläne gedeckt sind. Offenbar gibt es ein massives und landesweites Problem mit Korruption und illegalen Praktiken in der rumänischen Forstwirtschaft.

Das staatliche Forstunternehmen Romsilva administriert 12 von 13 Nationalparks. Es hat daher eine besondere Verantwortung, den Naturschutzverpflichtungen nachzukommen.

Die unterzeichnenden Umweltorganisationen halten einen grundlegenden Wandel in der rumänischen Forstpolitik für notwendig. Sie fordern insbesondere die umfassende Umsetzung der EU-Naturschutzrichtlinien. Managementpläne für Schutzgebiete seien so anzupassen, dass der Schutz aller Natur- und potentiellen Urwälder in einem guten Erhaltungszustand gewährleistet ist. Bisher ungeschützte Ur- und Naturwaldgebiete müssen dringend in den entsprechenden nationalen Katalog übernommen werden. Erforderlich seien zudem unabhängige Nationalparkverwaltungen, die vorrangig den Naturschutzzielen verpflichtet sind sowie eine öffentliche Basisfinanzierung für Nationalparks.

Der Appell ist unterzeichnet von Vertreterinnen und Vertretern folgender Umweltorganisationen:
AgentGreen (Rumänien), BUND – Friends Of The Earth Germany, BUND Naturschutz in Bayern, EuroNatur Stiftung, Fern, Forum Ökologie und Papier, Forum Umwelt und Entwicklung, Friends Of The Earth Europe (FoEE), international young naturefriends, NaturFreunde Deutschland, Pro Regenwald, Rainforest Rescue und ROBIN WOOD.

Link zum gesamten Statement zum Schutz Rumänischer Ur- und Naturwälder.

 

Wald im Fagaras Gebirge

Rumänien: Biologin des Semenic National Park kündigt aus Protest gegen illegale Abholzungen

Sinculeț Teodora Alina: „15 Jahre lang habe ich unzählige Beschwerden eingebracht, aber es wurden keinerlei Maßnahmen ergriffen. Der Managementplan wurde tagtäglich von der Parkverwaltung missachtet“…

Der Konflikt um die Abholzung im rumänischen Semenic – Caraş Gorge Nationalpark verschärft sich. Der Staatsforst-Betrieb Romsilva, der auch fast alle Nationalparks kontrolliert, wird von NGOs heftig wegen der intensiven Abholzung von wertvollen Wäldern in den Schutzgebieten kritisiert. Nun will Romsilva gar die streng geschützte Kernzone des Semenic-Nationalparks von 47,5% auf 32% reduzieren – sogar gegen den Willen des wissenschaftlichen Komitees.

Vor kurzem hat die Nationalparkbiologin Sinculeț Teodora Alina ihren Job gekündigt, um so gegen die verheerenden Abholzungen im Nationalpark zu protestieren. Sie veröffentlichte ein Manifest, in dem sie ihre Entscheidung erklärt.

Wir veröffentlichen hier Auszüge aus ihrem Schreiben:

„Nach fast 15 Jahren Tätigkeit als Biologin des Semenic Nationalparks sehe ich mich gezwungen, zurückzutreten und meinen Job zu kündigen. Ich traf meine Entscheidung, nachdem ich unter zu massiven Druck gesetzt wurde, weil ich Beschwerden gegen illegale Handlungen im Nationalpark einbrachte.
Während meiner 15-jährigen Tätigkeit im Büro habe ich Beschwerden bei fast allen Behörden eingereicht, die für die Kontrolle und Inspektion der Parkverwaltung zuständig sind – bei allen Managern des Parks, bei allen Generaldirektoren von Romsilva, Staatssekretären und Ministerien, Staatsanwälten, Polizeibeamten, Forstinspektoren und Umweltprüfern. Es wurden aber keinerlei Maßnahmen gegen diejenigen ergriffen, die gegen das Gesetz verstoßen haben.
Wegen all dieser Beschwerden wurde ich bedroht und von meinen Vorgesetzten unter Druck gesetzt. Ich kam zu dem Punkt, an dem ich spürte, dass meine Integrität, mein Leben und die Sicherheit meiner Familie zu sehr beeinträchtigt wurden.“

„Das war eine sehr schwierige Entscheidung  für mich, weil ich meinen Job liebe und die letzten 15 Jahre dem Schutz und der Erhaltung der biologischen Vielfalt im Park gewidmet habe. Mein Rücktritt ist auch eine Form des extremen Protestes, um mehr Aufmerksamkeit auf die Zerstörung von Schutzgebieten in Rumänien zu lenken. Leider ist es auch ein ultimatives Mittel, um mich und meine Familie vor zukünftigen Bedrohungen zu schützen“.

Eine lange Liste von Illegalitäten…

„Es ist schwierig, alle die vielen Rechtsverstöße im Park auf wenigen Seiten zusammenzufassen. Aber ich werde die Hauptgründe für meine Kündigung nennen.

– Der 2014 zwischen Romsilva und dem Umweltministerium unterzeichnete Nationalpark-Managementvertrag wurde von der Parkverwaltung täglich gebrochen.
– Die Entlassung des gesamten Fachgremiums im Wissenschaftlichen Komitee im Jahr 2016, das permanent die Vorlage von Folgenabschätzungen für Naturräume eingefordert hat und gegen die Abholzungen im Park aufgetreten ist.
– Die von Regierungsbeamten genehmigten Abholzungen im Cheile Carasului Reservat, die  Dokumente gefälscht und die Reservatsgrenzen geändert hatten.
– Die zwischen 2004-2018 erteilten Holzeinschlags-Genehmigungen, die zur Verwüstung von alten Wäldern in diversen Schutzgebieten führten.
– Wir Arbeitnehmer des Parks erhielten keine angemessene Ausrüstung für unsere Arbeit, keine angemessene Schulung in der Vorbereitung oder für die Bekämpfung von Waldbränden. Feuer sind ein großes Problem im Semenic National Park.
– Die Parkverwaltung hat sich nicht an die rumänische Gesetzgebung zur Archivierung aller offiziellen Verwaltungsdokumente (wie Protokollierungen, Bußgelder, Genehmigungen etc.) gehalten und die Verwaltung verfügt über kein gesetzeskonformes Archiv.
– Es wurden keine Geldstrafen verhängt und keine Maßnahmen gegen diejenigen Holzfällerunternehmen ergriffen, die die Umwelt belasteten und Flüsse mit Industrieöl und anderen illegalen Abfällen verschmutzten.
– Es wurden keine Geldstrafen und keine Maßnahmen gegen illegal agierende Holzfirmen und diejenigen ergriffen, die illegale Rohstoffgewinnung wie z.B. Tagebaue betrieben.
– Es wurden keine Geldstrafen und keine Maßnahmen gegen illegale Bauten ergriffen, die innerhalb der Parkgrenzen gebaut wurden.“

Zutrittsverbote für Einschlagsgebiete

„In vielen Fällen verbot mir der Nationalparkmanager, Gebiete zu besuchen, in denen massiver Holzeinschlag betrieben wurde – insbesondere in den Gebieten, in denen noch alte Wälder standen. Und in vielen Fällen benutzte der Manager des Parks die Wild-Videoüberwachungskameras des Parks für die Jagd.

Ich kam zu dem Punkt, an dem ich mit viel Trauer von der Position des Biologen zurücktrag – als letzte Form des Protestes gegen die Zerstörung der Wälder, gegen den Druck und die Bedrohungen, denen viele ehrliche Mitarbeiter des Parks ausgesetzt sind.
Ich hoffe sehr, dass der Umweltminister diese Sache ernst nimmt und die Kontrolle über die Nationalparks an sich zieht. Romsilva muss die Verwaltung der Parks entzogen werden und alle Illegalitäten innerhalb des Parks erfordern eine Untersuchung. Die Verantwortlichen für all die Vergehen müssen bestraft werden.“

Abholzungen im Toplita Tal

NGOs leiten rechtliche Schritte gegen die Zerstörung des Semenic Nationalparks ein

Kürzlich haben die NGOs Agent Green und Neuer Weg ein Gerichtsverfahren gegen die Umweltbehörde Caraş Severin Environmental Protection Agency eingeleitet, um den Managementplan für den von Romsilva verwalteten Semenic Nationalpark aufzuheben, der eine Erweiterung der wirschaftlich nutzbaren Fläche im Park auf 68% vorsieht.

Der Semenic-Cheile Caraşului Nationalpark ist ein tragisches aber klares Beispiel für das betrügerische Management der Nationalparks in Rumänien. Außerdem ist er auch ein Natura-2000-Gebiet, dass den Bestimmungen der europäischen Naturschutzrichtlinien unterliegt. „Wenn dieser teuflische Plan von Romsilva vom Ministerium unterstützt wird, werden wir die Europäische Kommission auffordern, ein  Vertragsverletzungsverfahren einzuleiten, um die Machenschaften Rumäniens streng zu sanktionieren. Polen hat Ähnliches wie Romsilva in den vergangenen Jahren im Nationalpark Bialowieza versucht und wurde durch ein Vertragsverletzungsverfahren und durch den Europäischen Gerichtshof gestoppt. Dies werden wir auch im Fall Rumäniens einfordern“, warnt Gabriel Paun, Präsident von Agent Green.