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Rumänien: Biologin des Semenic National Park kündigt aus Protest gegen illegale Abholzungen

Sinculeț Teodora Alina: „15 Jahre lang habe ich unzählige Beschwerden eingebracht, aber es wurden keinerlei Maßnahmen ergriffen. Der Managementplan wurde tagtäglich von der Parkverwaltung missachtet“…

Der Konflikt um die Abholzung im rumänischen Semenic – Caraş Gorge Nationalpark verschärft sich. Der Staatsforst-Betrieb Romsilva, der auch fast alle Nationalparks kontrolliert, wird von NGOs heftig wegen der intensiven Abholzung von wertvollen Wäldern in den Schutzgebieten kritisiert. Nun will Romsilva gar die streng geschützte Kernzone des Semenic-Nationalparks von 47,5% auf 32% reduzieren – sogar gegen den Willen des wissenschaftlichen Komitees.

Vor kurzem hat die Nationalparkbiologin Sinculeț Teodora Alina ihren Job gekündigt, um so gegen die verheerenden Abholzungen im Nationalpark zu protestieren. Sie veröffentlichte ein Manifest, in dem sie ihre Entscheidung erklärt.

Wir veröffentlichen hier Auszüge aus ihrem Schreiben:

„Nach fast 15 Jahren Tätigkeit als Biologin des Semenic Nationalparks sehe ich mich gezwungen, zurückzutreten und meinen Job zu kündigen. Ich traf meine Entscheidung, nachdem ich unter zu massiven Druck gesetzt wurde, weil ich Beschwerden gegen illegale Handlungen im Nationalpark einbrachte.
Während meiner 15-jährigen Tätigkeit im Büro habe ich Beschwerden bei fast allen Behörden eingereicht, die für die Kontrolle und Inspektion der Parkverwaltung zuständig sind – bei allen Managern des Parks, bei allen Generaldirektoren von Romsilva, Staatssekretären und Ministerien, Staatsanwälten, Polizeibeamten, Forstinspektoren und Umweltprüfern. Es wurden aber keinerlei Maßnahmen gegen diejenigen ergriffen, die gegen das Gesetz verstoßen haben.
Wegen all dieser Beschwerden wurde ich bedroht und von meinen Vorgesetzten unter Druck gesetzt. Ich kam zu dem Punkt, an dem ich spürte, dass meine Integrität, mein Leben und die Sicherheit meiner Familie zu sehr beeinträchtigt wurden.“

„Das war eine sehr schwierige Entscheidung  für mich, weil ich meinen Job liebe und die letzten 15 Jahre dem Schutz und der Erhaltung der biologischen Vielfalt im Park gewidmet habe. Mein Rücktritt ist auch eine Form des extremen Protestes, um mehr Aufmerksamkeit auf die Zerstörung von Schutzgebieten in Rumänien zu lenken. Leider ist es auch ein ultimatives Mittel, um mich und meine Familie vor zukünftigen Bedrohungen zu schützen“.

Eine lange Liste von Illegalitäten…

„Es ist schwierig, alle die vielen Rechtsverstöße im Park auf wenigen Seiten zusammenzufassen. Aber ich werde die Hauptgründe für meine Kündigung nennen.

– Der 2014 zwischen Romsilva und dem Umweltministerium unterzeichnete Nationalpark-Managementvertrag wurde von der Parkverwaltung täglich gebrochen.
– Die Entlassung des gesamten Fachgremiums im Wissenschaftlichen Komitee im Jahr 2016, das permanent die Vorlage von Folgenabschätzungen für Naturräume eingefordert hat und gegen die Abholzungen im Park aufgetreten ist.
– Die von Regierungsbeamten genehmigten Abholzungen im Cheile Carasului Reservat, die  Dokumente gefälscht und die Reservatsgrenzen geändert hatten.
– Die zwischen 2004-2018 erteilten Holzeinschlags-Genehmigungen, die zur Verwüstung von alten Wäldern in diversen Schutzgebieten führten.
– Wir Arbeitnehmer des Parks erhielten keine angemessene Ausrüstung für unsere Arbeit, keine angemessene Schulung in der Vorbereitung oder für die Bekämpfung von Waldbränden. Feuer sind ein großes Problem im Semenic National Park.
– Die Parkverwaltung hat sich nicht an die rumänische Gesetzgebung zur Archivierung aller offiziellen Verwaltungsdokumente (wie Protokollierungen, Bußgelder, Genehmigungen etc.) gehalten und die Verwaltung verfügt über kein gesetzeskonformes Archiv.
– Es wurden keine Geldstrafen verhängt und keine Maßnahmen gegen diejenigen Holzfällerunternehmen ergriffen, die die Umwelt belasteten und Flüsse mit Industrieöl und anderen illegalen Abfällen verschmutzten.
– Es wurden keine Geldstrafen und keine Maßnahmen gegen illegal agierende Holzfirmen und diejenigen ergriffen, die illegale Rohstoffgewinnung wie z.B. Tagebaue betrieben.
– Es wurden keine Geldstrafen und keine Maßnahmen gegen illegale Bauten ergriffen, die innerhalb der Parkgrenzen gebaut wurden.“

Zutrittsverbote für Einschlagsgebiete

„In vielen Fällen verbot mir der Nationalparkmanager, Gebiete zu besuchen, in denen massiver Holzeinschlag betrieben wurde – insbesondere in den Gebieten, in denen noch alte Wälder standen. Und in vielen Fällen benutzte der Manager des Parks die Wild-Videoüberwachungskameras des Parks für die Jagd.

Ich kam zu dem Punkt, an dem ich mit viel Trauer von der Position des Biologen zurücktrag – als letzte Form des Protestes gegen die Zerstörung der Wälder, gegen den Druck und die Bedrohungen, denen viele ehrliche Mitarbeiter des Parks ausgesetzt sind.
Ich hoffe sehr, dass der Umweltminister diese Sache ernst nimmt und die Kontrolle über die Nationalparks an sich zieht. Romsilva muss die Verwaltung der Parks entzogen werden und alle Illegalitäten innerhalb des Parks erfordern eine Untersuchung. Die Verantwortlichen für all die Vergehen müssen bestraft werden.“

Abholzungen im Toplita Tal

NGOs leiten rechtliche Schritte gegen die Zerstörung des Semenic Nationalparks ein

Kürzlich haben die NGOs Agent Green und Neuer Weg ein Gerichtsverfahren gegen die Umweltbehörde Caraş Severin Environmental Protection Agency eingeleitet, um den Managementplan für den von Romsilva verwalteten Semenic Nationalpark aufzuheben, der eine Erweiterung der wirschaftlich nutzbaren Fläche im Park auf 68% vorsieht.

Der Semenic-Cheile Caraşului Nationalpark ist ein tragisches aber klares Beispiel für das betrügerische Management der Nationalparks in Rumänien. Außerdem ist er auch ein Natura-2000-Gebiet, dass den Bestimmungen der europäischen Naturschutzrichtlinien unterliegt. „Wenn dieser teuflische Plan von Romsilva vom Ministerium unterstützt wird, werden wir die Europäische Kommission auffordern, ein  Vertragsverletzungsverfahren einzuleiten, um die Machenschaften Rumäniens streng zu sanktionieren. Polen hat Ähnliches wie Romsilva in den vergangenen Jahren im Nationalpark Bialowieza versucht und wurde durch ein Vertragsverletzungsverfahren und durch den Europäischen Gerichtshof gestoppt. Dies werden wir auch im Fall Rumäniens einfordern“, warnt Gabriel Paun, Präsident von Agent Green.

 

Klage will Aus für Förderung von Waldbiomasse in neuer EU-Erneuerbaren-Energien-Richtlinie

Am 4. März 2019 wurde in Brüssel eine richtungsweisende Klage gegen die neue EU-Kommission betreffend die neue Richtlinie über erneuerbare Energien (RED 2) eingeleitet. Kläger aus den fünf EU Mitgliedstaaten Rumänien, Irland, Slowakei, Frankreich und Estland erheben den Vorwurf, dass diese EU-Richtlinie über erneuerbare Energien (RED II, 2018) die Zerstörung von Wälder steigern und durch das Verbrennen von Holz (als erneuerbare und angeblich klimaneutrale Energieressource) die Treibhausgasemissionen erhöhen wird.

Die Klage, die beim Europäischen Gerichtshof in Luxemburg eingereicht wird, führt wissenschaftliche Beweise dafür an, dass holzbefeuerte Kraftwerke mehr Kohlendioxid (CO2) pro Energieeinheit in die Atmosphäre pumpen als Kohlekraftwerke. Die EU-Politik rechnet die CO2-Emissionen aus der Verbrennung von Biomassebrennstoffen zur Wärme- oder Energieerzeugung nicht in Klimabilanze mit ein, was den Anschein erweckt, dass diese Methoden klimafreundlicher seien als fossile Brennstoffe. Die Kläger fordern das Gericht auf, die Bestimmungen der RED II-Richtlinie für Waldbiomasse aufzuheben, um die Verbrennung von Holz für die EU-Mitgliedstaaten für die Erreichung der Zielvorgaben für Erneuerbare Energien und Subventionen nicht mehr anrechenbar zu machen.

Die Holzverbrennung in Kraftwerken pumpt mehr CO2 (pro Energieeinheit)
in die Atmosphäre als Kohle…

„Die Politik der EU beruht auf der falschen und leichtsinnigen Annahme, dass die Verbrennung von Holz aus Wäldern CO2-neutral ist“, sagte Dr. Mary S. Booth, Direktorin der Partnership for Policy Integrity und leitende wissenschaftliche Beraterin betreffend der Klage. „Wissenschaftler aus der ganzen Welt, darunter auch die wissenschaftlichen Berater der EU, warnen davor, dass die Verbrennung von Holz aus Wäldern die Emissionen im Vergleich zu fossilen Brennstoffen tatsächlich erhöht.“

EU-Richtlinie über erneuerbare Energien im Widerspruch zum Vertrag über die Arbeitsweise der EU

„Die Klage, die wir nun einreichen, kritisiert, dass diese Politik der EU fast alle Grundsätze für die Umweltpolitik, die im „Vertrag über die Arbeitsweise der EU“ festgelegt sind, nicht einhält. Die Politik sollte vielmehr auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhen, den Klimawandel bekämpfen und das Prinzip der Verursacher berücksichtigen“, sagte Raul Cazan, einer der Kläger der NGO 2Celsius in Rumänien. „Es ist schwer sich eine noch kontraproduktivere Politik vorzustellen, als eine, die Wälder als Brennstoff verbrennt.“

Der rumänische Umweltschützer Gabriel Paun von der NGO Agent Green unterstützt die Klage als Zeuge.

Eine Übersicht über die Details der Causa finden Sie hier.

„Wir befinden uns in einer Klimakrise, die die noch EU verschärft, weil wir Wälder wie Treibstoff behandeln. Dabei sind Wälder praktisch unsere einzige Kohlenstoffsenke,“ sagte Peter Lockley, Rechtsberater der Kläger. „Diese Situation verschärft die Abholzungen, was sich wiederum auf  Eigentum,  Rechte und  Lebensgrundlage der Menschen auswirkt. Es ist von entscheidender Bedeutung, dass die von diesem schädlichen Gesetz betroffenen Personen vor den EU-Gerichtshof kommen können, um es anzufechten.“

Die Subventionen für Biomasse aus Holz werden den Holzeinschlag erhöhen, Europas letzte Natur- und Urwälder werden den Preis dafür zahlen müssen…. Bild: Holzeinschlag im Herzen des Nationalparks Domogled – Valea Cernei in Rumänien auf Grundlage staatlicher Genehmigungen.

In Übereinstimmung mit den Empfehlungen des Weltklimarates IPCC zur Erhaltung eines lebenswerten Klimas hat die Europäische Kommission eine klimaneutrale EU bis 2050 gefordert. Das erfordert einen Ausgleich von Treibhausgasemissionen und die Erhaltung von Kohlenstoffsenken – zu diesem Zeitpunkt sind das vor allem Wälder.

Nach RED II muss die EU bis 2030 mindestens 32 Prozent ihrer Energie aus erneuerbaren Quellen gewinnen, um das Ziel, CO2-Emissionen um 30 Prozent im Vergleich zu 1990 zu senken, zu erreichen.
Biomasseenergie ist jedoch ein großer und wachsender Teil des Mixes für erneuerbare Energien in der EU. Im Jahr 2016 stammten fast die Hälfte der in der EU erzeugten erneuerbaren Energien aus der Verbrennung von holzartiger Biomasse und es wird erwartet, dass die Nachfrage durch RED II steigen wird.

EU-Subventionen für Holz als Biomasse werden die Abholzung von Urwäldern erhöhen.

Die Kläger argumentierten, dass nicht nur die unzähligen CO2-Emissionen aus der Verbrennung von Biomasse die Bemühungen zur Bekämpfung des Klimawandels untergraben, sondern auch die Subventionen für Biomasse die Nachfrage und damit die Abholzung von Wäldern in Europa und Nordamerika erhöhen. Die Kläger vertreten einige besonders betroffene Gebiete wie der Südosten der USA, Estland und die Karpatenwälder in Osteuropa, wo einige der letzten verbliebenen Urwälder Europas abgeholzt werden.

Die Klage wird von Klägern aus Estland, Frankreich, Irland, Rumänien, der Slowakei und den USA eingereicht. Die Kläger bringen den Fall auf der Grundlage der bereits eingetretenen negativen Auswirkungen von Holzeinschlag und Biomasseverbrennung vor und erwarten zukünftige Auswirkungen, wenn die finanzielle Unterstützung für Bioenergie weiter ansteigt.

„Die Überarbeitung der Richtlinie für erneuerbare Energien eine Chance für die EU, einige der gravierendsten Probleme im Zusammenhang mit der Bioenergie aus Biomasse zu lösen, wie z.B. die Steigerung der Abholzungen in Wäldern und die Verbrennung ganzer Bäume und Baumstümpfe. Daran sind sie weitgehend gescheitert, so dass es nun an den Bürgern liegt, die EU vor Gericht zu bringen und diese katastrophale Entscheidung umzukehren“, sagte Hannah Mowat, Kampagnenkoordinatorin bei Fern, einer in Brüssel ansässigen NGO, die sich mit Wald und Rechten beschäftigt.

Weitere Informationen über den Fall und einen Hintergrund zu den einzelnen Klägern finden Sie unter www.eubiomasscase.org.

Die riesigen Kahlschläge in der rumänischen und slowakischen Karpatenlandschaft sind nicht nur eine Katastrophe für die Biodiversität. Sie bedrohen auch den Menschen, indem sie das Risiko von Überschwemmungen, Erdrutschen und Lawinen erhöhen. Die großen Öffnungen beeinträchtigen auch den Waldboden und behindern das Waldwachstum.

Protestaktion mit Bär in Berlin: EU-Umweltminister*innen müssen Rumäniens Urwälder schützen

Robin Wood e.V. protestierte vor rumänischer Botschaft in Berlin gegen die skandalösen Abholzungen in rumänischen Nationalparks und Natura-2000-Gebieten

Parallel zum Treffen der Umweltminister*innen der EU in Brüssel, erschienen Aktivist*innen der Umweltorganisation Robin Wood e.V. vor der rumänischen Botschaft in Berlin und führten eine symbolische „Abholzung“ durch – um gegen die Zerstörung der rumänischen Urwälder demonstriert. Rumänien hat bis Ende Juni den EU-Ratsvorsitz inne.

 

Ausgerüstet mit forstlicher Arbeitskleidung und Motorsäge zerkleinerten sie vor der rumänischen Botschaft einen Baumstamm um auf die massiven Abholzungen in den wertvollen Wäldern Rumäniens aufmerksam zu machen. Ein Kostüm-Bär zeigte ein Banner mit der Aufschrift „No Loggings in Romanian National Parks“ („Keine Abholzung in rumänischen Nationalparks“).

Waldschutz sollte ganz oben auf EU-Agenda stehen
„Die Rumänischen Urwälder werden illegal abgeholzt – egal ob National Park, Biosphären Reservat oder Natura 2000 Gebiet – und wir fordern die rumänische Regierung auf, effektive Maßnahmen zu ergreifen das zu unterbinden!“ so Jana Ballenthien, Waldreferentin Robin Wood. Die Umweltaktivisten*innen nutzte die rumänisch EU-Ratspräsidentschaft, um das Rampenlicht auf Rumänien sowie die illegalen Abholzungen zu ziehen. Denn auch in den eigentlich unter europäischem Recht geschützten Natura-2000-Gebieten wird in Rumänien abgeholzt. „Die letzten Urwälder unserer Erde mit ihrer Artenvielfalt und ihrer Funktion für ein stabiles Klima müssen zuverlässig geschützt werden – nicht nur auf anderen Kontinenten, auch hier in Europa. Wir fordern die rumänische Regierung auf, ihre Ratspräsidentschaft dafür zu nutzen, den Waldschutz ganz oben auf die Agenda zu setzen“, sagt Ballenthien.

Rumäniens Wälder sind überwältigend artenreich und bieten zahlreichen endemischen Arten Lebensraum. Zu ihnen zählen einige der letzten – seit der Eiszeit fast unberührten – Urwälder Europas, von denen die meisten in den Karpaten zu finden sind. Sie sind von unschätzbarem Wert fürs Klima und für die biologische Vielfalt. Die schwer zugänglichen Gebirgsregionen in den Wäldern Rumäniens gehören zu den wenigen noch existierenden Refugien europäischer Braunbären, Luchse und Wölfe.

Rumänien muss EU-Recht in Natura 2000 Gebieten durchsetzen
Insbesondere fordert Robin Wood von der rumänischen Regierung und der Forstverwaltung Romsilva ein effektives Kontrollsystem, das illegale Abholzung in Nationalparks verhindert sowie die konsequente Durchsetzung des EU-Rechts zum Schutz der ausgewiesenen Natura-2000 Gebiete. EU-weit muss dafür gesorgt werden, dass Rechtsübertritte in Natura-2000-Gebieten sanktioniert werden. Außerdem müssen Einschlag und Handel mit illegalem Holz auch innerhalb des europäischen Binnenmarktes wirksam unterbunden werden.

Die Urwälder Rumäniens brauchen Hilfe. Bitte daher unbedingt diese Petition unterschreiben und weiter verbreiten. Danke!

Bären protestieren für ihre Urwälder (© Stephan Röhl, CC BY SA 4.0)
Die Aktivisten*innen vor der rumänischen Botschaft (© Stephan Röhl, CC BY SA 4.0)